Skandinavien Tag 17 – Eiszeit

Gepostet von am 17. Juli 2009 in Reiseberichte, Urlaub | Keine Kommentare

Wie immer beginnt der Tag mit einem Frühstück in aller Ruhe. Heute geht’s über die doppelte Mautstraße (1x für die Tunnel und 1x für die Straße zum Getscher) zum Jostedalsbreen. Er ist Europas größter Festlandgletscher mit einer Länge von ca 100 km in Nord-Süd-Richtung und einer 500 m dicken Eisschicht. Der Jostedalsbreen ist aber kein Überrest der letzten Eiszeit. Er entstand erst ca. 500 v. Chr., als eine Klimaverschlechterung einsetzte, die die Voraussetzungen für die Bildung von Gletschern in dieser Region ermöglichte.

Einige Kilometer vor dem Parkplatz des Gletschers liegt das Besucherzentrum (Breheimsenteret), in dem wir die Tickets für unsere heutige Tour abholen – gebucht haben wir gestern abend per Mail.

Wir haben uns für die Kurze Blaueistour (ca. 3,5 Std. in Summe – davon 2 Stunden am Eis) entschieden. Deren Ziel ist der Nigardsbreen, ein Gletscherarm im Osten. Sein Name geht auf eine kleine Siedlung namens Nigard zurück, die bei einem Gletschervorstoß 1743 zerstört wurde. Die Gesamtfläche der Gletscherzunge liegt bei rund 48 km², die Länge der Gletscherzunge selbst bei ca. 9 km.

Beim Treffpunkt mustert Fran, unser Guide, unsere Kleidung und vor allem die Schuhe. Wir sind etwas verwundert, als einige neue Bergstiefel und/oder Handschuhe bekommen. Wir gehen mit unserer Ausrüstung durch und bekommen “nur” Pickel und Steigeisen. Das Bild nebenan hat übrigens eine Brasilianerin gemacht, die auf die Pose bestanden hat.

Dann folgt die Überfahrt zum Fuss des Gletschers über den beeindruckenden Gletschersee (Nigardsbrevatnet) mit dem Boot. Nach dem 15minütigen Zustieg über Felsen und kleine Bäche – von Fran in rasantem Tempo vorgelegt – bekommen wir Klettergurte, legen die Steigeisen an und werden angeseilt. Die Einschulung sieht so aus: Zum Thema Steigeisen gibt’s den Tipp “Walk normally.” Zum Thema Eispickel gibt’ s dann schon 2 Tipps: “Don’t loose it” und “Don’t fall on it”. Aha.

Nun folgt die eigentliche Gletscherwanderung in der bizarren Eiswelt mit Türmen, Tälern und Spalten. Es geht auch gleich richtig “los” – mitten auf dem Eis und erst mal 45 Minuten mehr oder weniger direkt zum 1. Dach des Gletschers. Anfangs tun wir uns mit Pickel und Eisen schwer und auch das Gehen am Seil braucht Übung. Aber wir gewöhnen uns dran. Fran legt ein zügiges Tempo vor; wir denken an eine Wette unter Kollegen betreffend der Geschwindigkeit.

Ab und zu bleiben wir stehen, weil einer von uns Fotos machen möchte – die einzige Pause machen wir aber (ziemlich geschafft) am höchsten Punkt. Zeit für Wasser, Brote und ein paar Infos zum Gletscher. Am Gletscher ist es an diesem perfekten Tag (Sonnenschein, blauer Himmel) erstaunlich warm. Ab und zu merkt man einen warmen Föhnwind, der uns auch gestern am Supphellebreen aufgefallen ist. Außerdem machen sich die ungewohnten 20 Grad, die es heute hat, bemerkbar. Nach etwa 10 Minuten ist den meisten aber trotzdem kalt und wir machen uns an den Abstieg. Vor dem Abstieg kommt noch Frans Erinnerung: “Remember what I told you?” Nach fragendem Schweigen meint er dann: “Walk normally.” Nach dieser umfassenden Einschulung kann der Abstieg los gehen.

Der Abstieg fällt erstaunlich leicht; die Steigeisen halten wirklich gut und wir haben schnell Vertrauen in den Halt der Eisen. Während des Abstiegs kann Martina die Tour das 1. Mal so richtig genießen. Leider scheint der Rückweg kürzer und bald geben wir die Klettergurte am Fusse des Gletschers wieder ab.

Dann noch der Weg zum Bootsanleger. Wir sind froh, nicht zu Fuss rund um den See gehen zu müssen. So folgt eine unterhaltsame Bootsfahrt (der Käptän ist gesprächig) – Fran ist mit dem 1. Boot vorgefahren. Am Ausgangspunkt geben wir dann auch Pickel und Steigeisen wieder ab.

Nun liegt eine beeindruckende, für uns (gottseidank aber auch für alle anderen, Fran mal abgesehen) sehr anstrengende Tour hinter uns. Etwas müde machen wir uns auf den Weg zum Campingplatz. Dort genießen wir unser diesmal wohlverdientes Abendessen im Freien bei tiefblauem Himmel. Nach einer langen Dusche geht’s dann relativ bald in die Betten.

Kosten

Mautgebühr Tunnel: 2 x 180 = 360 NOK

Mautgebühr Gletscher: 25 NOK

Blaueistour: 2 x 410 = 820 NOK

Jostedalen Breførarlag AS

Krundalen

N-6871 Jostedal

Homepage

Mail

Boyum Camping

N – 6848 Fjærland

Mail

Hütte Nr. 5 (mit eigenem Bad)

WLAN in der Rezeption

720 NOK


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