Wir werden durch die Möwen vor dem Fenster geweckt. Obwohl der Himmel wieder strahlend blau ist, haben wir ausgeschlafen (Dank der Verdunklungsvorhänge).
Kabelvåg
Heute ist der Ort sehr ruhig, weil er durch Gemeindezusammenlegungen etwas an Bedeutung verloren hat. In der Vergangenheit war das anders: Im 12. Jahrhundert ließ Øystein Magnusson hier nicht nur die erste Kirche der Lofoten errichten, sondern auch Unterkünfte für Fischer.
Damit begründete er die erste organisierte Form der Fischereiwirtschaft auf den Lofoten. Im 19. Jahrhundert war Kabelvåg das logistische Zentrum der Skrei-Fischerei.
SKREI: Otolith

Seit dem vergangenen Wochenende (genau seit dem 30.06.) hat das neue Museum, SKREI, geöffnet. Das nagelneue Gebäude trägt den Namen Otolith, benannt nach den winzigen Gehörsteinen (Otolithen) eines Fisches, die zur Altersbestimmung und Verhaltensanalyse genutzt werden.
Hier befindet sich eine neue, groß angelegte Ausstellung, die den Titel Mit dem Meer trägt.
Gleich daneben liegen das Lofotakvariet (Lofoten Aquarium) und das Lofotmuseet (Lofotenmuseum), sowie die Kunstgalerie Galleri Espolin. Da wir diesen Teil beim letzten Mal besucht haben, fokussieren wir uns heute aber nur auf den Otholiten.
Was genau ist Skrei? Jeder Skrei ist Kabeljau, aber nicht jeder Kabeljau ist Skrei. Skrei ist Kabeljau, der in der Barentssee aufgewachsen ist.

Über Generationen hinweg bestimmten wenige Wochen zwischen Jänner und März den Jahresablauf der gesamten Region. 30.000 Saisonfischer kamen hierher, die Boote lagen dicht an dicht und entlang des Hafens entstanden Speicherhäuser und Seilereien. Der jährliche Rhythmus der Region richtete sich ganz nach dem Auftreten dieses einen Fisches.

Archäologische Funde aus der Gegend um Vágar zeigen Keramik, teilweise auch aus dem Nahen Osten und belegen die jahrhundertealten Handelsverbindungen.
Die neue Ausstellung erzählt aber nicht nur die Geschichte der Fischer, sondern erstmals (für uns zumindest) auch die Geschichte der Frauen, die an Land blieben.

Historischen Schätzungen zufolge erforderte die Vorbereitung eines einzelnen Fischers auf die Saison bis zu 400 Arbeitsstunden. Während die Männer wochenlang auf See waren, lagen Vorbereitung, Versorgung und Erhalt der Höfe in der Verantwortung der Frauen. Dazu zählten die Herstellung von Kleidung, die Instandhaltung der Ausrüstung, die Sicherung von Vorräten sowie die Versorgung des Viehs.

Der letzte Teil der Ausstellung widmet sich aktuellen Entwicklungen: steigenden Meerestemperaturen und veränderten Wanderrouten der Fischbestände zum Beispiel. Was bleibt von einer Kultur, deren Zentrum ein Fisch war, wenn dieser Fisch seine Routen verändert?
Wir haben die Ausstellung für uns allein und so genügend Zeit, alle Ausstellungsstücke in Ruhe anzuschauen und auszuprobieren. Die interaktive Ausstellung ist unglaublich spannend gestaltet und wir freuen uns über die vielen Details.
Zum Abschluss spazieren wir noch auf einen kleinen Hügel, von dem man aus einen schönen Blick hat. Wir können sogar die spielenden Otter im Aquarium von oben beobachten.

Nach einer kurzen Pause im Bacalao freuen wir uns auf unsere Schifffahrt, die wir vom letzten Mal vor vielen Jahren noch in Erinnerung haben.
Silent Cruise zum Trollfjord
Wir haben uns bewusst für eine Silent Cruise entschieden; klimafreundlich durch den Hybrid-Antrieb.

Am Eingang des Hafens fahren wir an der Bronzestatue einer Fischersfrau, Fiskerkona, vorbei. Sie wurde 1999 von dem Künstler Per Ung angefertigt, ist 4,5 Meter hoch und winkt mit der Hand aufs Meer hinaus.
Die Geschichte hinter dieser Statue ist tragisch. Ein gewaltiger Sturm zerstörte 1839 fast alle Fischerboote, die am Morgen von Svolvær aus in See gestochen waren. Fast ein Viertel der damaligen Bevölkerung kam dabei auf See ums Leben. Da die in Svolvær zurückgebliebenen Familien ohne den Fischfang keine finanziellen Mittel hatten, überlebten viele den Winter nicht. Mehr als ein Drittel der Einwohner von Svolvær starb in diesem Jahr. Die Statue erinnert an die Verluste der Menschen, die nach der Tragödie zurückblieben.
Wir erreichen bald den Vestfjorden, wo das Schiff nach Norden in den Raftsundet Kanal einbiegt.

Wir haben Glück, denn das Wetter ist fantastisch. So können wir die ganze Zeit an Deck sitzen und die windstille, ruhige See und den Panoramablick genießen.

Relativ bald erreichen wir einen Felsen, auf dem Seeadler ihre Jungen aufziehen. Die kleinen Adler wirken noch sehr zerzaust; sind aber gänzlich unbeeindruckt – wohl auch, weil wir mit Elektro-Antrieb fahren, um die Tiere nicht zu stören. Es ist wirklich schön, fast geräuschlos durch das Wasser zu gleiten.

Wir fahren weiter, vorbei an der Reknesbukta, einer malerischen Bucht, die seit ewigen Zeiten Schutz vor dem Wetter bietet.

Nach etwa 1 ½ Stunden Fahrt erreichten wir den Trollfjord. Dieser ist nur zwei Kilometer lang, aber beeindruckend. Zwischen steil aufragenden Felswänden, manche bis zu 1.000 Meter hoch, fahren wir in diesen schmalen Fjord, der wie ein geheimer Zugang zu einer verborgenen Welt wirkt. Die Berge sind so nah am Schiff, dass man die Berghänge fast berühren kann. Man versteht irgendwie, warum dieser Ort in norwegischen Sagen als Wohnort von Trollen galt – Wesen, die sich bei Sonnenlicht in Stein verwandeln.

Bei der Einfahrt in den Trollfjord schaltet das Schiff erneut auf reinen Elektroantrieb um. Da außer uns gerade nur ein paar Segelboote im Trollfjord sind, ist es so leise, dass man die Wasserfälle auch hören kann.

Am Ende des Trollfjords wendet das Schiff und gleitet weiterhin lautlos aus dem Fjord hinaus und zurück zum Raftsundet-Kanal.

Wir sitzen den ganzen Rückweg in der Sonne und genießen den Sommertag und die Landschaft. 2 Zimtrollen gehören auch dazu – wir haben die inkludierte warme Suppe gegen Zimtrollen eintauschen dürfen. Die sind so groß, dass wir eine davon für morgen aufheben.

Den Tag beenden wir in der Børsen Spiseri. Das Gebäude selbst stammt aus dem Jahr 1828 und war einst das Lagerhaus eines florierenden Fischhandelsunternehmens. Daran erinnern massive Holzbalken, steinerne Böden, eine riesige Waage im Eingangsbereich, Fischkisten und alte Werkzeuge.

Martina entscheidet sich für einen Salat mit gerösteten Kürbiskernen, eingelegten Zwiebeln und einer wunderbaren Zitronenvinaigrette. Danach folgt noch einmal Fischsuppe und für Michael Heilbutt mit Kartoffelpüree, eingelegtem Kohlrabi, Weißweinsauce und frittiertem Kelp-Seetang.
Scandic Svolvær
Homepages
NOK 7872 für 2 Nächte (Superior Best View inklusive Frühstück)
SKREI: Otolith
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NOK 220 pro Person
Brim Explorer: Silent Trollfjord Cruise
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NOK 1490 pro Person
Børsen Spiseri
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