Madrid | Infos zu Spanien’s Geschichte

Gepostet von am 09. April 2016 in Madrid, Reiseberichte | Keine Kommentare

Spanien hat so seine Eigenheiten.
Ein paar davon seien hier erzählt.  😉

Ghosts of Spain: Travels Through Spain and Its Silent Past

(Giles Tremlett)

Taschenbuch oder Ebook

ISBN-10: 0571221696

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Spaniens Zeitzone

IMG_213380 Prozent des spanischen Hoheitsgebietes befinden sich westlich des Nullmeridians, der durch die alte Sternwarte im Londoner Stadtteil Greenwich führt. Seit 71 Jahren, nämlich seit dem Kriegsjahr 1942, gehört Spanien dennoch derselben Zeitzone wie Deutschland an, der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ).

Ob Diktator Francisco Franco sich auf diese Weise Nazi-Deutschland anbiedern wollte, darüber gehen die Meinungen der Historiker auseinander.  😯

Ein Ausflug in die spanische Geschichte

Moros y Cristianos

(frei übersetzt: Mauren und Christen)

IMG_2130Die Mauren (moros) herrschten mehrere Jahrhunderte lang über weite Teile der spanischen Halbinsel und über Teile Nordafrikas. Die frühe Periode der arabisch-maurischen Herrschaft ist bekannt für die gegenseitige Toleranz und Akzeptanz, die Christen, Juden und Muslime einander entgegenbrachten. So kann man behaupten, dass die 700 Jahre dauernde Herrschaft der Mauren wohl die friedlichste Zeit war, die Spanien je erlebte.

IMG_2131Als Zeichen der Erinnerung wurde unterhalb der Kathedrale von Madrid, die auch maurische Einflüsse aufweist, ein Brunnen in Form eines Davidsternes angelegt um an die friedliche Koexistenz der Christen, Juden und Muslime zu erinnern.

Zahlreiche Bauwerke zeugen noch heute vom maurischen Einfluss, obwohl kaum noch etwas original erhalten ist. Dennoch, man hatte sich an die typische Gestaltung gewöhnt und wollte diese auch unter der neuen Regentschaft nicht aufgeben :mrgreen: – es entstand der mozarabische Baustil, der die maurischen Bauten kopierte. Eines der wenigen maurischen Bauwerke ist die Alhambra in Granada.

Reconquista

IMG_2163Spanien war im im 12./13. Jahrhundert durch  die Reconquista (Wiedereroberung) geprägt. Die christlichen Königreiche im Norden wollten das Land von den arabischen “Besatzern” befreien. Deshalb leisteten Isabella und Ferdinand den heiligen Schwur, ganz Spanien von den Moros zu befreien.

IMG_2162Zunächst verlief diese Reconquista erfolgreich. 1232 wurde das Emirat von Cordoba erobert, 1241 Murcia und 1248 Sevilla. Lediglich das Emirat Granada im Südosten Spaniens blieb bis 1492 unter maurischer Herrschaft. Ab 1492 wurden die Juden aus Spanien vertrieben, ab 1608 die letzten Muslime. Wer in Spanien bleiben wollte, wurde gezwungen, den katholischen Glauben annehmen. er christliche Glaube sollte das in ein christliches, jüdisches und maurische Spanien geteilte Land vereinen.  😯

Wer jedoch seinem Glauben treu blieb und dennoch nicht flüchtete, hatte die Inquisition im Nacken. Doch selbst der richtige Glaube schützte nicht immer. Ein Kriterium zur Überprüfung der Bekehrung zum christlichen Glauben war der Genuss von Schweinefleisch, der Juden und Muslimen religiös verboten war. Um die Inquisitoren davon zu überzeugen, dass man den Glaubenswandel wirklich vollzogen hatte, aß man möglichst sichtbar Schwein, oder tat wenigstens so. Angeblich rührt daher auch die Begeisterung in Spanien für Schweinefleisch. :mrgreen:

Siglo d’Oro

In diesem Zeitraum – ab 1492 – stieg Spanien zu der bestimmenden politischen und wirtschaftlichen Macht Europas und der Welt auf. Dieser Siglo de Oro genannte Zeitraum dauert endet erst 1700, dem Todesjahr Karls II., des letzten Habsburgerkönigs in Spanien. Diese Periode wird meist in 2 Zeiträume unterteilt:

Die erste Periode beschreibt die Zeit der Regentschaft Karls V. (in Spanien Carlos I) und Philipps II. (in Spanien Felipe II.), als Spanien zu seiner größten Machtausdehnung gelangte. Die zweite – weniger erfolgreiche – Periode beginnt mit dem Regierungswechsel von Philipp II. zu seinem Sohn Philipp III. und setzt sich unter den Königen Philipp IV. und Karl II. fort. In dieser Epoche erfuhr das spanische Imperium jedoch bereits den allmählichen Niedergang und verlor zunehmend an Bedeutung innerhalb Europas.

Doch wie kam es dazu?

Unter Philipp II. begann die allmähliche Abschottung Spaniens in Europa, das die staatliche Kontrolle der Kirche mithilfe eines aufwändigen bürokratischen Apparates zunehmend verstärkte. Dieser politische Fokus auf den Katholizismus grenzte das spanische Reich vom Rest Europas ab. Aber auch der ausschweifende Lebensstil Philipp IV. und die durch andauernde Inzest bedingte gesundheitliche Probleme Karl II. trugen ihren Teil zum Untergang bei.

Die Herrschaft Francos

Nach dem Zusammenbruch der spanischen Monarchie und der Gründung der Zweiten Republik (1931–1936) errangen die Parteien der Mitte und der Linken einen überwältigenden Sieg in Spanien. Die junge Republik hatte jedoch mit großen innenpolitischen Problemen zu kämpfen. Am 17./18. Juli 1936 begann ein Aufstand des Militärs in Spanisch-Nordafrika, der bald auf das spanische Festlandes übergriff.
Kurz darauf sicherten Adolf Hitler und Benito Mussolini den Aufständischen unter der Führung Francos ihre Unterstützung zu. Im Juli 1937 erkannten die spanischen Bischöfe die Zeichen der Zeit und stellten sich hinter Franco. Am 1. April 1939 erklärte Franco nach der Besetzung Madrids den Bürgerkrieg für beendet, worauf die USA die Diktatur unter General Franco anerkannten.

Am 11. Juni 1973 wurde Luis Carrero Blanco als Nachfolger Francos als Regierungschef vereidigt. Der 80-jährige, schwerkranke Franco zog sich gleichzeitig offiziell aus dem operativen Regierungsgeschäft zurück. Tatsächlich aber starb Carrero Blanco knapp zwei Jahre vor Franco: Eine unterirdische Bombe (angebracht durch die ETA) explodierte unter seinem gepanzerten Auto. Die Wucht der Explosion war so heftig, dass sein Wagen über das Dach eines fünfstöckigen Hauses geschleudert wurde, bevor er auf einer Terrasse im 2. Stock landete.  😯

IMG_2161Nun hatte Franco also ein Problem: Den Tod vor Augen hatte er keinen Nachfolger. Und woher auf die Schnelle einen geeigneten Diktator nehmen? 😕  Da hatte Franco eine entscheidende Idee. Spaniens Monarchie war in Sachen diktatorische Herrschaft ja nicht unerfahren 💡  – weshalb Franco sich an das Königshaus wandte. Am 22. Juli 1969 ernannte er den späteren König Juan Carlos I. zu seinem Nachfolger.

Transición – der Weg zur Demokratie

Der Nachfolger  Francos, Juan Carlos I., dachte jedoch nicht daran den Weg Francos fortzusetzen. Am 15. Juni 1977 wählte Spanien zum ersten Mal seit 1936 in freien allgemeinen Wahlen ein Parlament. Adolfo Suárez wurde neuer Ministerpräsident Spaniens und beendete das diktatoriale Regime Francos endgültig.

Ganz so reibungslos verlief dieser politische Wandel jedoch nicht:

Der “Pakt des Vergessens” (pacto de olvido) war Bedingung  für die Wiedereinführung der Demokratie. Die nach wie vor mächtige Elite aus Francos Zeiten hatte  nur unter der Bedingung einer Amnestie zugestimmt. Niemand sollte für seine Taten während Francos Diktatur juristisch zur Verantwortung gezogen werden und die Täter blieben in ihren Ämtern, ganz egal, ob es sich um Militärs, Polizisten oder Richter handelte. Auch eine juristische Aufarbeitung des Bürgerkriegs, der Massaker und Repressionen gegen Kritiker erfolgte nicht. Die Massengräber, in denen bei Massakern getötete RepublikanerInnen verscharrt worden waren, mussten ebenso vergessen werden. Den Angehörigen war es verboten, Trauerkleidung zu tragen; Totenscheine konnten oft erst nach 1979 ausgestellt werden.

Das Tal der Gefallenen, von Zwangsarbeitern in der Nähe von Madrid errichtet, sollte an den Sieg des Franco-Regimes im spanischen Bürgerkrieg erinnern. Nach seinem Tod wurde das Denkmal zum Mausoleum – und entwickelte sich zur Pilgerstätte für seine Anhänger und Rechtsextreme. Seit 2007 sind politische Aktionen dort zwar verboten, doch ist es noch immer ein Ort, an dem Menschen den Diktator ehren.

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