Das Wetter ist so la-la; es schneit, weswegen wir uns entscheiden, den Tag in einem Museum zu verbringen.
Magie!

Die Ägyptisch-Orientalische Sammlung mit ihren zahlreichen königlichen Statuen und Reliefs, Sarkophagen, bemalten Holzsärgen, Mumien und der Kultkammer eines Beamtengrab in Giza hat mich beim letzten Mal fasziniert. Da Michi sie noch nie gesehen hat, besuchen wir sie heute wieder.
In der KHM App gibt es eine Tour durch diesen Bereich namens Magie!. Der Rundgang wirft einen Blick auf ägyptische Voodoo-Puppen, schützende Amulette, magische Substanzen und übersinnliche Aspekten. Klingt spannend!

Wir beginnen bei der Osiris-Statuette mit ihren Amuletten. Ein Skarabäus (Mistkäfer)-Amulett steht für Schutz, Glück und das ewige Leben. Im alten Ägypten stellte es den Sonnengott Chepri und den täglichen Lauf der Sonne dar. Das Horus-Amulett ist ein Schutzzeichen getragen gegen den bösen Blick, Unheil und zur Gewährleistung der Sicherheit im Jenseits.

Weiter geht es zu den Wiener Feindtäfelchen. Sie stammen aus dem 3. Jahrtausend vor Christus und wurden in einem Tonkrug bei einem der Gräber, die die Pyramiden umgeben, entdeckt. Die kleinen Tafeln sind jeweils mit dem Namen einer Person beschriftet. Das bedeutete für die Betroffenen nichts Gutes. In magischen Ritualen nahmen die Täfelchen den Platz einer verhassten Person ein, der man den Tod wünschte.

Amulette wurden auch im antiken Griechenland genutzt, etwa als Liebeszauber. Auch im antiken Rom waren goldene Metallplättchen beliebt, die man zusammengerollt und in einer länglichen Hülse oder einem Ledertäschchen um den Hals trug.

Weiter geht’s zu den Magischen Gemmen. Das sind geschnittene Steine, die als Amulette zum Einsatz kamen. Versehen mit Bildern, Inschriften und magischen Zeichen versprachen sie Schutz und Hilfe bei jeder Art von Problemen. Man trug sie als Ring oder als Anhänger am Körper. Benötigte man eine Gemme, ging man zum Gemmenschneider. Dieser wählte Stein, Darstellung, Inschriften und Zeichen und schneiderte die Gemme auf den Leib, passend zum Leiden.

Danach verlassen wir die Antike und begeben uns in die Welt der europäischen Kunst- und Wunderkammern. Das erste Objekt dort ist die Eppendorfer Alraune. Diese Wurzel (angeblich in Gestalt des gekreuzigten Jesu) wurde als Zeichen Gottes verehrt. Ab dem 15. Jahrhundert wurde die Alraune besonders geschätzt. Man berief sich auf die Signaturenlehre, die vom Aussehen der Dinge auf ihre Wirkung schloss. Eine Wurzel, die auf geheimnisvolle Weise einen ganzen Menschen abbildet, müsse auch für den ganzen Menschen hilfreich sein. Noch heute gibt es Alraunen in Privatbesitz, die von Generation zu Generation vererbt werden und auf magische Weise zum Glück ihrer jeweiligen Besitzerinnen und Besitzer beitragen sollen.

Wir verlassen die Kunstkammer und machen uns auf in die Gemäldegalerie. Zuerst sehen wir eine golden schimmernde Glocke von Kaiser Rudolf II. Sie besteht aus Blei, Zinn, Eisen, Gold, Kupfer, Quecksilber und Silber. Diese Metalle sind nach alchemistischem Verständnis durch die Kräfte der sieben damals bekannten Planeten entstanden.

Danach führt die Tour zu Gemälden, auf denen Personen mit Amuletten dargestellt sind. Philipp Prospers, der älteste Sohn des spanischen Königs Philipp IV. aus dessen zweiter Ehe mit Maria Anna trägt magisch aufgeladene Amulette und Glücksbringer, sogenannte Talismane, die ihn beschützen sollen. Das war auch notwendig, da Philipp Prosper von sehr schwächlicher Konstitution war und an an Epilepsie litt. Er starb kurz vor seinem vierten Geburtstag.

Wir gehen weiter zum Alchemistischen Medaillon Kaiser Leopolds I. Am 15. November 1677 tauchte ein Alchemist das ursprünglich silberne Medaillon in eine geheimnisvolle Flüssigkeit. Als er es herauszog, war es aus Gold. Magie? Leider nicht. Die Flüssigkeit – vermutlich Salpetersäure – löste Silber und Kupfer aus der Oberfläche; übrig blieb nur das Gold.
Zum Abschluss gehen wir in die Kuppelhalle des Museums. Auch hier gibt es Zeichen der Alchemie. Ein Relief zeigt einen älteren Herrn mit Kapuze – ein Alchemist bei der Arbeit. Mit strengem Blick prüft er den Inhalt eines birnenförmigen Fläschchens, einer sogenannten Phiole.
Chinesische Kunst aus der Verbotenen Stadt

Die gemeinsam vom Palastmuseum und dem Kunsthistorischen Museum kuratierte Sonderausstellung zeigt 76 Meisterwerke aus dem chinesischen Hofleben im 18. Jahrhundert. Die meisten Objekte werden zum ersten Mal in Europa gezeigt.
Saliera
Wir kommen auch an einer Besonderheit vorbei, die es so nur in Wien gibt. Die Saliera ist kostbares Behältnis für Salz und Pfeffer. Sie stellt ein Sinnbild des Kosmos dar, auf dem die Gottheiten Neptun (Meer) und Tellus (Erde) ebenso wie die Motive der Tageszeiten und der vier Winde dargestellt sind.

2003 wurde die Saliera aus dem Kunsthistorischen Museum entwendet, das wegen Bauarbeiten eingerüstet war. Die Alarmanlage löste zwar aus, das Wachpersonal nahm aber einen Fehlalarm an, sodass der Diebstahl erst am nächsten Morgen entdeckt wurde. Die Saliera blieb daraufhin drei Jahre lang verschollen. 2006 wurde der Dieb gefasst und die vergrabene Saliera konnte geborgen werden.

Nach diesem interessanten Museumsbesuch freuen wir uns auf das Mittagessen. Unser Ziel ist das Restaurant The Bank Brasserie & Bar. Zu zweit schmeckt das wunderbare Essen noch besser und wir genießen es sehr.
Kunsthistorisches Museum Wien
Eintritt: EUR 22,00 pro Person
Audioguide (KHM App): kostenlos
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Restaurant The Bank Brasserie
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