Kunsthistorisches Museum Wien: “Canaletto und Bellotto”

Wieder mal ein freier Freitag und wieder einmal ein Tag in Wien. Im Kunsthistorischen Museum Wien gibt es derzeit eine Ausstellung, die Stadtansichten von Venedig, Wien, London und Dresden zeigt. Ideal zur Ferienzeit.

32 Gemälde sind zu sehen – alle gemalt von zwei italienischen Malern des 18. Jhdt. Einerseits Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto, und andererseits sein Neffe und Assistent Bernardo Bellotto. Canaletto galt als der bekannteste Vedutenmaler (von vedute, dt. Ansicht).

Für mich überraschend sind die Bilder keine originalgetreuen Abbildungen: Beide Maler verschoben Gebäude näher zueinander, änderten die Perspektive oder ergänzten unfertige Gebäude – alles damit die Darstellung harmonischer wirkte. Bildbearbeitung gibt es also nicht nur heute.

Das Gemälde Der Bacino di San Marco von San Giorgio Maggiore aus etwa zeigt eine saubere, glitzernde und harmonisch wirkende Landschaft; inklusive zartrosa Wölkchen über dem Canale Grande.

Der Grund für die idealistische Darstellung der Städte liegt im Entstehen von internationaler Reisetätigkeit. Reisen und Kunst wurden zum Statussymbol. Englische Aristokraten pilgerten in Scharen nach Venedig, um Kunst, Kultur, Musik und Theater zu genießen.

Die Stadtansichten dienten nach der Reise als Erinnerung, aber auch (angesichts des hohen Preises) als Statussymbol und Zeichen von Geschmack und Weltgewandtheit. Eine gemalte Postkarte sozusagen.

Der Österreichische Erbfolgekrieg bereitete der Reisefreude nach Venedig ein jähes Ende: Die Touristen versiegten, die zahlungskräftige Kundschaft blieb aus. Canaletto versuchte sein Glück in London, Bellotto ging 1747 nach Dresden. Der Ausbruch des Siebenjährigen Krieges im Jahr 1756 und der Einmarsch preußischer Truppen zwangen Bellotto zum neuerlichen Umzug, dieses Mal nach Wien.

Aus dieser Zeit stammen die Darstellungen dieser Städte im bewährten verklärenden Stil.

Im Gemälde Wien vom Belvedere aus gesehen wird entsprechend ziemlich geschummelt. Die Karlskirche sowie und die Salesianerinnenkirche liegen näher beieinander und die beiden Kirchtürme sind deutlich höher als in Wirklichkeit, um den Blick ins Innere des Bildes zu lenken. Der konstruierte Blick von Bernardo Bellotto (bekannt als Canaletto-Blick – obwohl es „der andere der beiden Künstler“ ist) bestimmt bis heute Wiens Erscheinungsbild.

Zum Ausklang entscheide ich mich traditionell für ein Mittagessen in der The Bank Brasserie & Bar. Weil das Wetter leider alles andere als sommerlich schön ist, fällt der Kaffee im Freien aus. Macht aber nichts, es bleibt trotzdem ein schöner Tag.


Kunsthistorisches Museum Wien
Eintritt: EUR 22,00 pro Person
Audioguide (KHM App): EUR 5,00
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Restaurant The Bank Brasserie
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